Me & We: Wohlbefinden und Gemeinsinn

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Konzept von „Me & We“

Förderung der mentalen Gesundheit von Jugendlichen in der Klassengemeinschaft an der Ernst-Reuter-Schule

1. Ausgangslage

Die mentale Gesundheit von Schülerinnen und Schülern in Deutschland zeigt seit Jahren deutliche Belastungen – ein Trend, der sich seit der COVID-19-Pandemie weiter verstärkt hat. Laut der HBSC-Studie 2022 berichten rund die Hälfte der Mädchen und etwa ein Drittel der Jungen über mehrere psychosomatische Beschwerden (z. B. Kopf- oder Bauchschmerzen, Schlafprobleme). Seit 2020 hat sich die subjektive Gesundheit und Lebenszufriedenheit junger Menschen signifikant verschlechtert. Besonders gefährdet sind Mädchen und geschlechtlich diverse Jugendliche. Etwa ein Fünftel der Jugendlichen beschreibt seine psychische Verfassung oder sein Wohlbefinden als eher schlecht – häufig im Zusammenhang mit schulischem Leistungsdruck, Zukunftsängsten, Klima- oder Kriegsangst.

Insgesamt ist die Lage besorgniserregend, auch wenn nicht alle Schülerinnen, Schüler oder Studierenden psychisch erkrankt sind. Auffällig sind zunehmende Erschöpfung, Überforderung, psychosomatische Beschwerden und eine generelle Abnahme psychischer Stabilität. Risikofaktoren wie finanzielle Sorgen, Isolation oder schwierige Lernbedingungen verschärfen diese Situation – wie sie auch an der Ernst-Reuter-Schule häufig zu beobachten sind.

2. Ziel und Grundidee von „Me & We“

2.1 Hintergrund und Leitgedanke

Psychische Gesundheit entsteht dort, wo Menschen sich gesehen, verstanden und eingebunden fühlen. Schule spielt dabei eine zentrale Rolle, weil sie nicht nur ein Lern-, sondern auch ein Lebensraum ist, in dem soziale Beziehungen, Selbstwirksamkeit und Zugehörigkeit erfahren werden.

Das Programm „Me & We“ greift diese Idee auf: Es verbindet individuelle Stärkung („Me“) mit gemeinschaftlicher Verantwortung („We“). Jugendliche sollen erleben, dass ihr persönliches Wohlbefinden und das soziale Miteinander sich gegenseitig beeinflussen und stärken können. Die Grundlage bildet der Gedanke der Primärprävention: Wir möchten psychischen Belastungen nicht erst begegnen, wenn sie sichtbar werden, sondern frühzeitig Schutzfaktoren aufbauen – durch positive Erfahrungen, emotionale Sicherheit und verlässliche Beziehungen im Klassenverband.

2.2 Ziele des Programms

„Me & We“ verfolgt fünf übergeordnete Ziele:

  1. Resilienz fördern: Schülerinnen und Schüler lernen, mit Stress, Unsicherheiten und Misserfolgen konstruktiv umzugehen.

  2. Soziale Verbundenheit stärken: Die Klassengemeinschaft wird als unterstützendes Netzwerk erlebt, in dem gegenseitige Wertschätzung selbstverständlich ist.

  3. Selbstwirksamkeit entwickeln: Jugendliche erfahren, dass sie Einfluss auf ihre Lebenssituation und ihr Wohlbefinden nehmen können.

  4. Psychische Belastungen reduzieren: Alltagsnahe Rituale, Austausch und Achtsamkeit helfen, Spannungen abzubauen und Stress vorzubeugen.

  5. Schulkultur positiv beeinflussen: Durch regelmäßige, strukturierte Zeiten der Reflexion, Entspannung und Gemeinschaft wird Schule zu einem Ort, an dem Lernen und Wohlbefinden zusammengehören.

2.3 Umsetzung und didaktischer Ansatz

Das Programm wird im Mittagsband der Ernst-Reuter-Schule verankert. Diese Zeit dient bewusst nicht der fachlichen Leistungssteigerung, sondern der mentalen und sozialen Gesundheitsförderung.

Das Konzept sieht flexible Module vor, die von den Klassenleitungen in Abstimmung mit Schulsozialarbeit und ggf. Psychologie individuell gestaltet werden können. Jede Klasse kann Schwerpunkte setzen – je nach Entwicklungsstand, Klassendynamik und aktuellen Bedürfnissen.

Die Umsetzung folgt drei didaktischen Prinzipien:

  1. Partizipation: Schülerinnen und Schüler gestalten das Programm aktiv mit, bringen Themenvorschläge ein und übernehmen Verantwortung für einzelne Aktivitäten.

  2. Niedrigschwelligkeit: Alle Übungen und Projekte sind leicht umsetzbar, benötigen keine spezielle Ausstattung und lassen sich spontan in den Schulalltag integrieren.

  3. Kontinuität: Regelmäßigkeit ist entscheidend. Durch wiederkehrende Rituale und feste Strukturen (z. B. Wochenauftakt, Reflexionsrunde, Entspannungszeit) entsteht Verlässlichkeit und emotionale Stabilität.

2.4 Besonderheit der Ernst-Reuter-Schule

An der Ernst-Reuter-Schule bestehen – wie an vielen Schulen in sozialen Brennpunkten – besondere Herausforderungen:

  • ein hoher Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Mehrfachbelastungen,

  • sprachliche und kulturelle Vielfalt,

  • finanzielle Unsicherheiten in vielen Familien,

  • ein oftmals erhöhter Leistungs- und Anpassungsdruck.

Gerade hier ist es entscheidend, Schule als schützenden Raum zu gestalten. „Me & We“ bietet dafür eine strukturierte Möglichkeit, die emotionale und soziale Kompetenz zu fördern, ohne zusätzliche Belastung für Lernende oder Lehrkräfte zu schaffen.

2.5 Erwartete Wirkung

Durch „Me & We“ sollen Schülerinnen und Schüler:

  • sich in ihrer Klasse wohler und sicherer fühlen,

  • Konflikte früher ansprechen und besser lösen können,

  • mehr Freude und Motivation im Schulalltag erleben,

  • ein gestärktes Selbstbewusstsein und Zugehörigkeitsgefühl entwickeln,

  • insgesamt stabiler, belastbarer und empathischer werden.

Langfristig kann das Programm zur Verbesserung des Schulklimas, zur Reduktion von Fehlzeiten und zu einer nachhaltigen Stärkung der psychischen Gesundheit beitragen.